Ausstellung
Takahiko Iimura “Aiueonn Six Features”, 1993, Videostills © Takahiko Iimura 2016

Der Blick zurück nach Vorn. imai-Screening in der Ausstellung EGO UPDATE

vom 23. November bis 6. Dezember 2015 im NRW-Forum Düsseldorf

Für zwei Wochen ist das Screening „Der Blick zurück nach vorn. Videokunst aus dem Archiv des imai“ in der Ausstellung EGO UPDATE im NRW-Forum Düsseldorf  zu sehen. Seit den 1970er Jahren ist Videotechnik für KünstlerInnen eine optimale Möglichkeit, um sich selbst zur Schau zu stellen: den eigenen Körper, die eigene Handlung, die eigene Identität. Solche künstlerischen Positionen befragen die Präsenz des Einzelnen vor der Kamera und im virtuellen Raum. Sie stellen Videokunst als Gedächtnis dieser performativen und medialen Selbstexperimente und -reflexionen vor.


Kuratiert von Dr. Renate Buschmann

Mit folgenden Werken aus dem Archiv der Stiftung imai: 

1) Józef Robakowski, My Videomasochisms, 1990, 4:27 Min.

In Großaufnahme zeigt Józef Robakowski, wie er sich selbst mit allerlei Werkzeugen Schmerzen zufügt. Mit der humorvollen Selbstquälerei persifliert er das künstlerische Selbstporträt und die selbstsüchtige Neigung zur eigenen Darstellung.  

2) Ulrike Rosenbach, Good luck for a better art, 1976, 4:19 Min.

Das Spucken über die Schulter ist unter Schauspielern ein Brauch, um sich zur Premiere Glück zu wünschen. Wenn Ulrike Rosenbach die Videokamera und damit indirekt auch den Zuschauer anspuckt, verwandelt sie dieses Ritual in eine frivole Selbstinszenierung. 

3) Freya Hattenberger, Ich bin’s, 2004, 6:50 Min.

Freya Hattenberger fordert sich selbst schlechtes Benehmen ab, wenn sie pausenlos und bis zu ihrer körperlichen Erschöpfung ihr Spiegelbild anrülpst. Ist die Aktion zum einen der physische Beweis der eigenen Existenz, ist sie zum anderen ein lautstarker Affront gegen narzisstische Selbstbespiegelung. 

4) Rotraut Pape, Rotron, 1982, 6:20 Min.

Als in den 1980er Jahren die Ära des Heimcomputers begann, produzierte Rotraut Pape dieses Video, in dem sie als ulkige Verkörperung eines Computerprogramms auftritt. Das Video spielt auf den 1982 erschienenen Science-Fiction-Film Tron an, in dem Programme als humanoide Wesen Einfluss auf die reale Welt nehmen.  

5) Takahiko Iimura, AIUEONN Six Features,1993, 6:30 Min.

Der Künstler nutzt sein Videoporträt und seine Sprache, um die fünf Vokale und den letzten Buchstaben des japanischen Alphabets in eine anschauliche Kombination aus Schrift, Klang und Bild umzusetzen. Die computeranimierten Verfremdungen seines Gesichtes zu spaßigen Grimassen lassen die Vorstellung für den Zuschauer zu einem absurden Schauspiel werden. 

6) Rotraut Pape, Real Virtuality, 1998, 8:39 Min.

Rotraut Pape umgibt den Ästhetik-Professor Bazon Brock mit einer virtuellen Bilderwelt, während er die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags beschreibt. Statt von „virtueller Realität“ spricht Brock von einer „realen Virtualität“, deren Erfahrbarkeit uns neue Verhaltensweisen abverlangen wird. Eine vorausschauende Einschätzung von 1998.

7) Thomas Kutschker, Me, Myself and I, 2009, 4:15 Min.

Das Video ist das Resultat eines digitalen Selbstversuchs. Eine kurze Videosequenz, in der der Künstler die Treppe hinabsteigt, ist insgesamt 42 Mal ins Internet hoch- und danach wieder runtergeladen worden. Der Zuschauer kann beobachten, wie der Verlust von Daten anwächst, so lange bis aus der Kopie ein stark gerasterter Abklatsch der ursprünglichen Szene geworden ist.

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