Ausstellung
The Invisible Force Behind. Materialität in der Medienkunst

imai-Ausstellung im NRW-Forum zur Quadriennale Düsseldorf 2014

05. April - 10. August 2014

Die Stiftung imai für Video- und Medienkunst präsentiert im Obergeschoss des NRW-Forum Düsseldorf die Gruppenausstellung The Invisible Force Behind. Materialität in der Medienkunst. Die Ausstellung umkreist das heutige Phänomen des zunehmenden Verlusts von körperhafter Substanz durch Digitalisierung und des gleichzeitig ansteigenden Reservoirs an Wissen.

TEILNEHMENDE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER: Michael Bielicky & Kamila B. Richter, Alexander Hahn, Gary Hill, Mader Wiermann, Van McElwee, Agnes Meyer-Brandis, Lutz Mommartz, Jill Scott, Stansfield/Hooykaas, Steina, Woody Vasulka.

    

 
 Ausstellungsansichten. Für Bildbeschreibungen bitte dem Flickr-Link folgen.


Die ausgewählten Werke werfen die Frage nach dem heutigen Status und der Zukunft ihres Materials auf. Das Leitthema der Quadriennale Über das Morgen hinaus ist die Herausforderung, der sich die Medienkunst stellen muss. Gerade solche technologiebasierten Kunstwerke haben auch den Anspruch an eine futuristische Perspektive. Ihre Materialität basiert auf technologisch aufbereiteten – und manches Mal nicht lokalisierbaren – Informationsquellen und dehnt sich aus auf Visualisierungen von intensiv wahrnehmbaren Wissens-, Kommunikations- und Projektionsräumen. Die Künstler nutzen digitale Medientechnologien für die Übertragung des vermeintlich Bekannten in neue Kontexte, verwenden Licht als Informationsträger, wagen synergetische Experimente zwischen Kunst und Wissenschaft oder spielen mit unserer Wahrnehmung in der Vermengung von realen und virtuellen Räumen. 

In der Ausstellung sind vier raumgreifende Medienkunstinstallationen von Lutz Mommartz, Michael Bielicky/Kamila B. Richter, Agnes Meyer-Brandis und Jill Scott sowie ausgewählte Videokunstwerke aus dem Archiv des imai versammelt. Als historischer Bezugspunkt aus dem analogen Zeitalter ist das Zweileinwandkino von Lutz Mommartz rekonstruiert, in dem das Filmgeschehen sich auf zwei gegenüberstehenden Leinwänden verteilt. Der eigentlich leere Raum zwischen den Leinwänden wird hier verblüffend zum Erlebnisraum. Nach der Restaurierung kann das Zweileinwandkino erstmals seit der documenta 4 (1968) in seiner originalen Form und mit einmaligen Filmaufnahmen, in denen Sigmar Polke als Schauspieler auftritt, wieder gezeigt werden. 

In Why don’t we (2013/14) von Michael Bielicky & Kamila B. Richter steuern automatisch generierte Echtzeitnachrichten aus dem Sozialnetzwerk Twitter die Erzählstruktur ihrer siebenkanaligen Videoprojektion. Die Tweets fungieren dabei als Zwischentitel, ähnlich wie Texttafeln zur Einleitung von Szenen in Stummfilmen, und sind mit einer comicartigen  Bildsprache gekoppelt, in der brisante gesellschaftliche Themen wie Überwachung, Informationskontrolle, Informationskrieg oder Whistleblower kommentiert werden. 

Die Werke The Electric Retina (2008) von Jill Scott und Im Trophoshärenlabor (2010) von Agnes Meyer-Brandis sind jeweils Ergebnisse einer intensiven Beschäftigung mit naturwissenschaftlicher, technologischer Forschung. Die interaktive Skulptur The Electric Retina erlaubt nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen menschlichen Sehens, sondern stellt sie jüngsten neurobiologischen Erkenntnissen gegenüber. In der komplexen Rauminstallation Im Trophoshärenlabor ist ein Versuchslabor nachgebaut, in dem Wolkenbildung simuliert wird. Das dazugehörige Filmmaterial stammt aus wissenschaftlichen Experimenten in der Schwerelosigkeit, an denen die Künstlerin teilnahm, so dass eine irritierende Nähe zwischen wissenschaftlicher Seriosität und künstlerischer Subversion hergestellt wird. 

Nach Einbruch der Dunkelheit (April–Mai 21–23 Uhr, Juni–August 22–24 Uhr) wird im Ehrenhof täglich die Lichtkunstprojektion Reflecting Light der Medienkünstler Holger Mader und Heike Wiermann aufgeführt. Die großen Belvederefenster im Mitteltrakt des Museum Kunstpalast werden mit der akustischen Videoprojektion bespielt. Elemente der Gebäudearchitektur und der Umgebung werden in virtuellen Bildern verarbeitet und so in neue räumliche und inhaltliche Zusammenhänge gestellt, dass  das Reale rätselhafte Verwandlungen erfährt.  

Während der Ausstellung finden künstlerische Videoabende mit Anna Sokolova, Gunnar Friel, Anja Vormann und Jürgen Staack,  sowie eine Performance mit Agnes Meyer-Brandis statt.

Kuratorinnen: Renate Buschmann und Darija Šimunović

 

The Invisible Force Behind. Materialität in der Medienkunst

Die Ausstellung läuft bis zum 10. August im Obergeschoß des NRW-Forums.
Zeitgleich ist im Erdgeschoß die Ausstellung des Filmmuseums Düsseldorf
Visionen und Alpträume. Die Stadt der Zukunft im Film zu sehen.

Öffnungszeiten
Di–So 11–18 Uhr, Fr 11–20 Uhr; geöffnet an Feiertagen
Eintritt
9,- € / 4,- € ermäßigt
(Gilt als Kombiticket für beide Ausstellungen im NRW-Forum)

Mehr Infos zur Ausstellung auf der Website der Quadriennale Düsseldorf 2014: www.quadriennale-duesseldorf.de


Gefördert durch:

Quadriennale Düsseldorf 2014  

MFKJKS            Kunststiftung NRW          Pro Helvetia

Kunst- und Kulturstiftung Stadtsparkasse Düsseldorf       Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland