Die Gegenwart des Ephemeren
Medienkunst im Spannungsfeld zwischen Konservierung und Interpretation
Symposium am 15. November 2012
Bei der Konservierung und musealen Präsentation von Medienkunst müssen Kuratoren und Restauratoren häufig zwischen der historischen Materialität und der künstlerischen Intention des Werkes abwägen. Restauratoren stehen vor der Herausforderung, raumgreifende
Kunstinstallationen, die häufig ortsspezifisch und in komplexen
Zusammenstellungen mit verschiedenen Medien erschaffen wurden, in ihrer
ursprünglichen materiellen Substanz zu erhalten.
Werden solche Kunstwerke in neue Ausstellungskontexte übertragen, resultieren daraus Fragen insbesondere hinsichtlich ihres räumlichen Aufbaus. Kuratoren entwickeln neue Ansätze für zeitgemäße Präsentationen von performativen und ereignisbezogenen Werken, die in der Regel durch Video- und Fotodokumentationen sowie schriftliche Überlieferungen und Rudimente erfahrbar gemacht werden. Die Erhaltung und somit Sichtbarmachung technologiebasierter Kunstformen ist abhängig von der Aktualität der ihnen zugrundeliegenden Bildträger und Dateiformate, die von der beschleunigten technischen Weiterentwicklung betroffen sind. Dabei wird das Anliegen verfolgt, die Authentizität des Kunstwerkes, das in verschiedenen Manifestationen bzw. Inszenierungen existieren kann, zu definieren und zu bewahren.
Die angekündigte Tagung wird Fallbeispiele vorstellen und daran anknüpfend über Begriffe wie Rekonstruktion, Reproduktion und Remake sowie die daran angelehnten Vorgehensweisen heutiger Ausstellungspraxis, insbesondere in den ephemeren Kunstsparten, diskutieren. Welche Wege beschreiten Museen und Ausstellungshäuser, um performative, klang- und bewegtbildbasierte Werke zu zeigen? Ist gegenwärtig die Zuordnung in Kategorien wie Original und Kopie obsolet geworden? Wie weit kann sich eine Interpretation an der Ausstellungsgeschichte eines Werkes orientieren und wo sind die Grenzen? Kann der performative oder auch konzeptuelle Charakter von Werken so ausgeprägt sein, dass Reinszenierungen abweichende und trotzdem authentische Lösungen darstellen?
Mehrere Forschungsprojekte widmeten sich zuletzt dem Spannungsfeld zwischen der Erhaltung von Medienkunst in der Tradition der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften und der Interpretationsspanne, die bei der Übertragung von Kunstwerken in neue Ausstellungskontexte entsteht. Das imai hat seit 2006 eine Reihe von Fallstudien über Medienkunstinstallationen mit dem Ziel durchgeführt, Strategien der Konservierung und anschließende Präsentationen zu entwickeln. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik hat Dr. Tiziana Caianiello in ihrem Forschungsprojekt Konkretionen des Flüchtigen. Zur Problematik der Erhaltung und Re-Inszenierung von Medienkunstinstallationen, von 2007 bis 2009 am imai angesiedelt, betrieben. Die Restauratorin Fenna Yola Tykwer hat 2011 am imai eine Fallstudie zur Rekonstruktion von Nan Hoovers Installation und Performance Light Composition: Documenta 8 (1987) erstellt, dessen Ergebnis in der Tagung vorgestellt wird.
Konzept/Organisation: Dr. Renate Buschmann und Darija Šimunović, M.A.
Termin: Donnerstag, 15. November 2012, 10:00 - 17:30 Uhr
Ort: imai – inter media art institute,
c/o NRW-Forum, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf
Die Teilnahme ist kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten:
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PROGRAMM
09.30 Akkreditierung
10.00 Begrüßung durch Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf
10.15 Begrüßung / Einführung durch Dr. Renate Buschmann, Direktorin des imai und
Darija Šimunović, M.A., imai-Sammlung & Vertrieb
Moderation: Darija Šimunović, M.A.
10.45 Keynote: Zwischen variabler Stabilität und variabler Fragilität.
Präsentation und Dokumentation von Medienkunst
Prof. Dr. Claudia Giannetti, Leiterin des Edith-Russ-Hauses für Medienkunst, Oldenburg
11.45 Light Composition: Documenta 8 von Nan Hoover – Eine aktuelle Bestandsaufnahme
Fenna Yola Tykwer, Diplom-Konservatorin, -Restauratorin / Dr. Renate Buschmann, imai
12.30 Expanded Cinema. Überlegungen zur Wiederaufführung und Dokumentation
Katrin Mundt, freie Kuratorin und Autorin
13.15 Mittagspause
Moderation: Dr. Renate Buschmann
14.15 Rolf Julius – Klanginstallationen als Aufführungskunst
Maija Julius, M.A., Kunsthistorikerin und Nachlassverwalterin estate rolf julius
15.00 Machbarkeitsfantasien / für die Ewigkeit
Prof. Ute Hörner, Künstlerin und Professorin für Medienkunst / Transmediale Räume
an der Kunsthochschule für Medien Köln
15.45 Kaffeepause
16.00 Authentizität im Zeitalter der technischen Obsoleszenz
Dr. Bernhard Serexhe, Hauptkurator und Kustos des Medienmuseums im ZKM Karlsruhe
16.45 – 17.30 Abschlussdiskussion
DOWNLOAD ABSTRACTS.pdf >>
Titelbild: Nan Hoover Light Composition: Documenta 8 (1987) | © Foto Elisabeth Jappe, 2012
gefördert durch:
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