video art kitchen
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video art kitchen vol.5 : express!body

Ulrike Rosenbach +  Signe Theill + Rafael Montanez Ortiz + Lutz Gregor + Christian Möller + Patricia Hoeppe + Hanno Baethe + Josef Robakowski 

 

Pünktlich zur Art Cologne erscheint die 5. Ausgabe der video art kitchen express!body:

Das ca. einstündige Programm vereint historische und aktuelle Werke aus dem imai Videokunstprogramm.  Performance- und Videokünstler sowie Tänzer zeigen, dass die  Grenzen zwischen bildender und  darstellender Kunst fließend sind und formulieren durch eine leidenschaftliche Begegnung der Kunstformen einen spezifisch medialen Ausdruck: reizvoll, brutal und nahe.

Das imai präsentiert acht tänzerische Positionen aus seinem Vertriebsprogramm. Die ausgewählten Arbeiten von 1975 bis 2008 dokumentieren die Symbiose von bewegtem Bild und Körper, die Künstler seit den Anfängen der Videokunst immer  wieder eingegangen sind. Diese noch junge Kunstform ist eng mit Performance-Kunst und Tanz verbunden. In körperbetonten Sequenzen kreisen Künstler um ihre sexuelle Identität oder suchen die körperliche Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt. Durch die nachträgliche Montage schaffen sie neue Bewegungsmomente oder nutzen den Ausschnitt gebenden Blick der Kamera, um die Sicht des Betrachters zu lenken und zu verwirren. express!body zeigt den Körper als Bewegungs- und Bedeutungsträger in der Medienkunst.

Über das Anklicken einzelner Positionen gelangen Sie direkt zu den Arbeiten in unserem Online-Katalog, wo weiterführendes Material zur Ansicht und zum Download zur Verfügung steht.

 

Ulrike Rosenbach: Tanz für eine Frau, 1975, 06:39 min

In dem schwarzweiß - Video dreht sich die Künstlerin zur Melodie des Walzers „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“. Wie bei einer gesprungenen Schallplatte wird die Musik ständig wiederholt. Die schöne Melodie und ein romantisches Kleid erinnern an eine sich zur Musik drehenden Spieluhrfigur. Was wie ein Kleinmädchentraum beginnt, entpuppt sich als eine verwirrende Videoper-formance, die über ein in sich gefangenes Frauenbild spricht. Verhüllt in Tüll und alleine kreisend zu der ermüdenden Wiederholung einer Schmonzette, entwickelt sich der Traum zum Alptraum: Ein ewiges Einerlei bis hin zum körperlichen Zusammenbruch. 
     

   

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Signe Theill: Gulliver Dreaming, 2008, 15:39 min

Berlin – Bahnhof Potsdamer Platz – eine junge Frau sucht einen Platz zum Verweilen. Mit einem kleinen Koffer und gekleidet wie eine Reisende bettet sie sich auf eine Bank. In der Umgebung des nächtlichen Bahnhofs versucht sie, Kontakt aufzunehmen und findet nur Maschinen. Zwischen Toilettendrehkreuzen, Telefonzellen und Fahrkarten-automaten entwickelt die Tänzerin Shannon Cooney Improvisationen in der von Automaten dominierten Umgebung. Die wenigen vorbeieilenden Menschen beachten sie nicht.
    

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Rafael Montañez Ortiz: Dance No.4, 1984-85, 04:36 min

Im Video Dance Number 4 benutzt Ortiz Filmsequenzen, um Choreografien zu erzeugen. Harte Schnitte und permanente Wiederholung komponieren einen elektronischen Sound, zu dem sich die Figuren im Film bewegen. Die maschinellen Bewegungen und Töne offenbaren den immanenten Tanz und Gesang in unserem Bewegungs- und Sprachapparat.
     

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Lutz Gregor: Frankfurt Dance Cuts:
Vanessa Le Mat Synapse, 2005, 06:37 min


In Synapse forscht Vanessa Le Mat nach inneren und äußeren Bewegungsimpulsen. In alltäglichen Szenarien wie im Supermarkt oder beim Friseur wird dieTänzerin von marionettenartigen und grotesken Bewegungen heimge-sucht, die wie fremd gesteuert wirken. Die Impulse werden von ihrer äußeren Umgebung ausgelöst und scheinen die Akteurin ebenso zu überraschen, wie ihre Umwelt.  Der Videokünstler Lutz Gregor inszeniert mit der Kamera und den Improvisationen von Vanessa Le Mat eine Poesie des Moments und der Komik.

    



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Lutz Gregor: Frankfurt Dance Cuts:
Jone St. Martin Meat Me, 2005, 06:17 min


In Meat Me von Jone St. Martin filmt Lutz Gregor die physischen Berührungspunkte einer Tänzerin mit ihrem Partner. In den speziell für die Kamera choreografierten Sequenzen arbeiten sich Frauen- und Männerkörper aneinander ab. Die körperbetonten Ausschnitte wurden in der Umgebung eines Schlachthofes inszeniert und durch Einblendungen von rohem und blutigem  Fleisch ergänzt. Der Ton, welcher sich aus den Geräuschen der Fleisch-verarbeitung im Schlachthof und der extremen Reibung der tanzenden Körper zusammensetzt, geht unter die Haut.

   


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Christian Möller: Camera Music, 1997, 02:15
  
Das Video dokumentiert die interaktive Bild- und Klanginstallation Camera Music. Die Installation basiert auf einem automatischen System zur Bewegungserkennung: der Moment der Bewegung wird zum Auslöser für Bild und Ton. Blaue Partikelschwärme visualisieren den Bewegungs-moment des Betrachters auf der Projektionsfläche. Die Klangkulisse generiert sich aus dem Spektrum einer elektroakustischen Komposition und reagiert auf Veränderungen im Bild. So wird dem Betrachter vor Ort ermöglicht, das Videobild und den Sound zu steuern. Es entstehen spontane Choreografien der Ausstellungs-besucher. In Camera Music bewegt sich nicht der Körper zur Musik, sondern Bild und Ton werden von ihm komponiert.

     



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Patricia Hoeppe: ground touched sky – sky touched ground, 2001, 05:43 min

In ihrer Performance geht Künstlerin die Ost-West-Achse Berlins ab. Immer wieder kommt sie dabei zu Fall. Sie beginnt ihren Weg an der Karl-Marx-Allee und beendet ihn an der Siegessäule, wo sie erschöpft liegen bleibt. Das Video stellt die Welt in den Momenten des Sturzes auf den Kopf. Die Verkehrung von oben und unten verwirrt die Orientierung des Betrachters - ähnlich der Künstlerin verliert er den Boden unter den Füßen. In ihrem letzten Sturz überwindet sie die Distanz zwischen Himmel und Erde und das Blau ihrer Kleidung vermischt sich mit dem Blau des Himmels. Wie ein gefallender Engel liegt Patricia Hoeppe zu Füßen der Sieges-säule, dann steht sie auf und tanz barfuss und befreit.

     



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Hanno Baethe: Stay just a moment, 1990, 18:00 min

“Ich erfahre eine Differenz, ich sehe keine Differenz, ich fühle keine Differenz - innen drin bist du 17 und hier draußen sehen die Leute nur den alten Mann…“ (Hanno Baethe). Stay just a moment stellt mit Hilfe choreo-graphischer und tänzerischer Mittel die Qual eines jungen Geistes dar, der sich in seinem alternden Körper gefangen fühlt. Die Gegenüberstellung mit einem jungen Frauenkörper weckt in dem alternden Mann erotische Erinnerungen und schmerzhafte Sehnsucht nach Jugend, Wärme und Sexualität. Doch die Differenz von Körper und Geist lässt den Mann kalt, bewegungslos und „zitternd in sich selber“ zurück.
     


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Józef Robakowski: Dance with Trees, 1985, 02:39 min

Die Arbeit Dance with Trees ist, im Gegensatz zu den anderen ausgewählten Videos, menschenleer. Der Tänzer befindet sich dieses Mal hinter der Kamera und vermittelt so dem Betrachter sehr eindringlich die Perspektive des Tanzenden.
Seine Tanzpartner sind junge Bäume, die hölzern und gerade im Wald stehen. Die Kamera bewegt sich mit dem „Tatitatammm“ des singenden Künstlers, dessen Tanzschritte auf dem Laub zu hören sind. Spielerisch werden Bäume und Betrachter durch Ton und Kameraführung zu Protagonisten des Videos.


 


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Konzept: Renate Buschmann und Tanja Natter
Text: Tanja Natter