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Annebarbe Kau + Steina Vasulka + Freya Hattenberger + Peter Simon + Gary Hill + Marcel Odenbach + Susan Hefuna + Franziska Megert + Dara Birnbaum + Michael Langoth + Georg Maas
Mit view!voices, der 4. Ausgabe der video art kitchen rückt das imai 11 Videoarbeiten seines Verleihprogramms in den Fokus, welche das spezifische Merkmal von Video erkunden: die Audiovisualität. Die ausgewählten nationalen und internationalen Werke aus den Jahren von 1979 bis 2006 ziehen facettenreiche ästhetische Verbindungen zwischen Bild und Ton.
«Video» heißt, aus dem Lateinischen übersetzt, «ich sehe». Das stimmt natürlich nicht ganz: Was ich im Video sehe, kann ich auch hören und was ich höre, kann ich sehen. Bild und Ton sind ineinander verschränkt. Diese Synchronizität zeichnet Video als genuin audiovisuelles Medium aus und findet seinen radikalen Ausdruck im «Video Noise», dem spezifischen Bildrauschen, das auch «Schnee» genannt wird. Wir empfinden das Rauschen meist als Störung und haben den Eindruck, dass etwas Wesentliches fehlt, nämlich Bild und Ton. Aber die Botschaft des «Video Noise» ist das ureigene Bild- und Audiosignal von Video. Mit dieser strukturellen Eigenschaft von Video experimentieren viele frühe Videokünstlerinnen und Videokünstler wie Steina und Woody Vasulka oder Dara Birnbaum. Sie eröffnen ein spannendes Spielfeld einfallsreicher Bezugnahmen zwischen auditiver und visueller Ebene. Mit Sorgfalt und Liebe zum Detail werden Bild und Ton in den ausgewählten Videoarbeiten prägnant miteinander komponiert.
Das Programm der 4. video art kitchen besteht aus Einkanal-Videoarbeiten und zwei Videoperformances, die mit ihren vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten unsere Seh- und Hörgewohnheiten hinterfragen und aufzeigen, dass Audiovisualität keine Grenzen gesetzt sind.
Über das Anklicken einzelner Positionen gelangen Sie
direkt zu den ausgewählten Arbeiten in unserem Online-Katalog, wo
weiterführendes Material zur Ansicht und zum Download zur Verfügung steht.
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Annebarbe Kau: Hommage an Schwitters, 1996, 1:55 min
Die Künstlerin aktualisiert Kurt Schwitters Ur-Sonate
(1925) als simulierte Aufführung. Es sind menschliche Laute in
unterschiedlichen Stimm- und Klangfarben zu hören, die entsprechenden
Buchstaben formen sich in variabler Schrift, Größe und Farbe zu
einer Partitur. Es ist an uns, zu beurteilen, ob die Laute die Partitur
zum Leben erwecken oder die Partitur bloße Vorlage der Aufführung ist.
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Steina Vasulka: Voice Windows, 1986, 8:10 min
Seit 1969 experimentiert Steina Vasulka mit elektronischen Medien. Für Voice Windows zerlegte sie unter Verwendung eines Prozessors die Bildinhalte in abstrakte grafische Muster und dreidimensionale Formen. Über den Eingriff in die Videofrequenz durch die Stimmmodulationen der Klangkünstlerin Joan La Barbara eröffnet Vasulka ein variantenreiches Interaktionsfeld zwischen Videobild und Stimme. Es entstehen subjektive Klangbilder urbaner Aufnahmen Santa Fes und der Landschaft New Mexicos.
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Freya Hattenberger: Sirene, 2006, 3:30 min
Im griechischen Odysseus-Mythos zelebrieren die Sirenen mit ihrem
Gesang die Kunst der Verführung. Der von Freya Hattenberger produzierte
Gesang hingegen entsteht durch die Verführungskünste einer anderen Art: Es
ist nicht der schrille Gesang der Verführenden, den wir hören, sondern
die gewollte Rückkopplung zwischen der akustischen Präsenz der
Künstlerin und dem Mikrofon.
Die Arbeit Sirene hat Freya Hattenberger auch als raumgreifende Videoinstallation realisiert.
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Gary Hill: Mediations (towards a remake of Soundings), 1979/1986, 4:45 min
In diesem Beitrag steht nicht das Mikrofon, sondern der Lautsprecher
im Mittelpunkt. Aber auch hier ist es die Stimme des Künstlers, die sich Gehör verschafft: «A voice speaks out. Out loud. A loud
speaker.» In einer einzigen Einstellung reflektiert Hill die variablen Bezüge zwischen Stimme, Bild und Lautsprecher.
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Marcel Odenbach: As If Memories Could Deceive Me, 1984/86, 17:28 min
Müssen wir unseren Erinnerungen misstrauen? Diesem Verdacht geht Marcel Odenbach nach.
Seine assoziative Collage aus Bild- und Musikzitaten verweist auf
persönliche und nationale Identitätskonstruktionen. Wiederkehrender
Referenzpunkt ist Odenbachs eigene bürgerliche Kindheit: Sich
wiederholende Bilder eines auf Klaviertasten ruhenden Jungen, Aufnahme
von Konzertaufführungen und Bildausschnitte von Filmen zur deutschen
Geschichte verbinden sich zu einem Strom bewegter Erinnerungen.
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Susan Hefuna: ANA/ICH, 2006, 3:36 min
Eine filmisch Collage kurzer Porträtaufnahmen von Menschen in den
Straßen Kairos, die sich uns mit «ana», dem arabischen Wort für «ich»,
vorstellen. Eine ungewohnte, fast befremdliche Geste, stellen die
Menschen in Kairo ihre eigene Person doch meist in den Hintergrund. Die
Aufnahmen alternieren mit kurzen audiovisuellen Selbstdarstellungen der
Filmemacherin. Mit dem Gebrauch des personalen Fürwortes in der ersten
Person wird das Verhältnis zur eigenen Sprache, Kultur und
Individualität hinterfragt und mit unserer kontrastiert.
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Franziska Megert: Sweet Dressing, 1983, 3:31 min
Eine Wahrnehmungsstudie der besonderen Art: Bild- und Geräuschebene
erscheinen zunächst disparat. Erst allmählich erkennen wir die
verhüllten Formen und vermeintlichen Koordinaten des sich uns
präsentierenden öffentlich-intimen Raumes. Unter minimalem Einsatz
audiovisueller Mittel führt uns Franziska Megert eine mehrdeutige
Situation vor Augen und Ohren.
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Dara Birnbaum: Fire!Hendrix, 1982, 5:24 min
In ihrer Bildkritik an ästhetischen Repräsentationsstrategien richtet
Dara Birnbaum den Blick auf Frauen, Konsum und Lifestyle der späten
1970er/frühen 1980er Jahre. In der Re-Inszenierung des
Jimmy-Hendrix-Songs Fire! verschmelzen Bild, Song und
Textelemente zu einem mehrschichtigen Ensemble. So gelingt es der
Künstlerin, die visuellen Stereotype der Werbung mit ureigenen Mitteln
der Fernsehsprache zu dekonstruieren. Der Konsum konsumiert sich
selbst.
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Peter Simon: Echo, 2005, 5:37 min
Aus der Vogelperspektive beobachtet die Kamera vorüber ziehende
Menschengruppen und Individuen. Die Einstellungen sind mit den Aufnahmen aus einer Nebelkammer überblendet. Während der öffentliche Raum dadurch auf Distanz gehalten wird, sucht die Kamera durch Zooms die Nähe zu einzelnen Personen. Der von Peter Simon komponierte Soundtrack unterstützt die Unschärfe der Bilder.
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Michael Langoth: Video Skating, 1991, 3 min
Der Künstler entführt uns in die rasante Bild- und Ton-Welt einer
Videokamera auf Rollen und Kufen. Sukzessive durch sprunghafte Schnitte rhythmisiert, zeigt die Kamera audiovisuelle Kunststücke auf
Wasser, Eis und Asphalt. Kurz bevor wir dem Sog der Geschwindigkeit erliegen, werden wir
aus ihm entlassen.
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Georg Maas: 10 ¾ Zoll, 1986, 4 min
Das Video beruht auf dokumentarischem Bildmaterial von Arbeiten auf Baustellen: Es wird zersägt, geschnitten und zerteilt.
Die nächsten Arbeitsschritte verbinden, montieren und installieren. Der Prozess des Zergliederns und Produzierens steht in Analogie zur Videomontage, welche das Geschehen
filmisch neu organisiert und dadurch ein audiovisuelles Orchester hervorbringt.
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Konzept: Renate Buschmann und Stephanie Lauke
Text: Stephanie Lauke
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