video art kitchen
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video art kitchen vol.2 : PLAY!GENDER

Max Almy + Dara Birnbaum + VALIE EXPORT + Bettina Gruber + Marcel Odenbach + Ulrike Rosenbach + Shelly Silver   

 

Mit PLAY!GENDER, dem 2. Teil seiner video art kitchen, präsentiert das imai diesmal eine Auswahl von Videoarbeiten, die für einen couragierten und spielerischen Umgang mit den kunsthistorisch bedeutsamen Themen Geschlecht, Identität und Körper stehen. Während sich einige Beiträge dezidiert im Kontext feministischer Fragestellungen und Diskurse der 1970er Jahre positionieren, setzen sich andere eher ironisch oder performativ mit den unter die Lupe genommenen Geschlechtsidentitäten auseinander.

Als Instrument zur Offenlegung und Brechung gesellschaftlicher Normierungen steht das Medium Video in einer langen Tradition künstlerischer Auseinandersetzung mit feministischen Fragestellungen. Zum Repertoire der sich diesem Thema widmenden internationalen Künstler/innen zählen sowohl Dokumentationen von Körper-Performances als auch ironisches Spiel mit der Visualität sozialer, kultureller und sexueller Stereotype. Gleichzeitig haben diese Positionen in entscheidendem Maße die ästhetischen Strategien und inhaltlichen Leitlinien der Videokunst mitgeprägt und den audiovisuellen Kunstformen zu ihrer verdienten kunsthistorischen Akzeptanz verholfen.

Inwieweit prägt das Geschlecht - ob biologisch determiniert oder sozial konstruiert - unsere Identität? Inwiefern sind uns gesellschaftliche Grenzen gesetzt, innerhalb derer wir prädeterminierte Rollen einnehmen, um geschlechtsspezifischen Erwartungen zu entsprechen? PLAY!GENDER ist die ambitionierte Reaktion einiger Videokünstler/innen, die seit den 1970er Jahren althergebrachte Geschlechterklischees und erstarrte Rollenbilder reflektieren. Sowohl politisch als auch ästhetisch nehmen sie dafür die Mechanismen von sozialer und medialer Fremdbestimmung ins Visier der Kamera. Neben der kritischen Hinterfragung der Massenmedien Fernsehen und Film bedeutet PLAY!GENDER auch die Behauptung eigener unkonventioneller Spielräume und Strategien für alternative Identitätsentwürfe.

Die für PLAY!GENDER aus dem Vertriebsprogramm des imai ausgewählten Arbeiten werfen ein Schlaglicht auf einige der bedeutendsten Statements, die sich der Sprache des damals noch relativ neuen und unvoreingenommenen audiovisuellen Mediums Video bedienen. Über das Anklicken einzelner Positionen gelangen Sie direkt zu den ausgewählten Arbeiten in unserem Online-Katalog, wo weiterführendes Material zur Ansicht und zum Download zur Verfügung steht.

 

 

Ulrike Rosenbach: Reflexionen über die Geburt der Venus, 1976, 19:25 min

Botticellis «Geburt der Venus» gilt als Inbegriff der abend-ländischen Idealvorstellung von weiblicher Schönheit. Ulrike Rosenbach macht das Gemälde aus dem 15. Jahrhundert zum Ausgangspunkt ihrer Kritik an der Fremdbestimmung femininer Identität. Dafür überblendet die Künstlerin das Bild der nackten Göttin mit ihrer eigenen Gestalt. Langsam dreht sie sich um die eigene Achse und ist dabei wie im Rhythmus von Tag und Nacht abwechselnd sichtbar und unsichtbar.

     
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Dara Birnbaum: Technology Transformation - Wonder Woman, 1978, 7:00 min

Wonder Woman ist ein typisches Beispiel für Dara Birnbaums Untersuchungen der Fernsehsprache. Indem sie die Bilderwelt popkultureller Ikonen durch ständige Wiederholung einiger charakteristischer Gesten überzeichnet, dekonstruiert die Künstlerin nach und nach das Bild der strahlenden Superheldin. Durch die Manipulation dieser klassischen Fernseh-inszenierung beleuchtet die Arbeit aus den 1970er Jahren den sexistischen Umgang mit Weiblichkeit in den Medien.

     
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Max Almy: Modern Marriage, 1979, 2:02 min

«He's perfect, absolutely perfect...» kommentiert eine Frauenstimme aus dem Off die Großaufnahme des zum Sonnenbad am Wasser entspannt zurückgelehnten Mannes. «...dynamic, successful, ambitious,...» wird die Liste  bewundernswerter männlicher Attribute zunächst in beständiger Anbetung weitergeführt, bis schließlich aus heiterem Himmel der schier perfekte Ehemann im Fluss der Worte zur unerträglich langweiligen und egozentrischen Person mutiert.

    
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Shelly Silver: Getting In, 1989, 2:47 min

In Getting In werden Aufnahmen von nordkalifornischen Häuserfassaden und Gebäudeeingängen mit der aus einem Pornofilm entnommenen Tonspur unterlegt. Symbolisch und rhythmisch unmittelbar auf den Geschlechtsakt verweisend, nähert sich die Kamera mal bedächtiger, mal schneller den Türen, Eingängen, Passagen und Fassaden. Immer rastloser erscheinen die Schnittfolgen. In die scheinbar belanglosen Bilder des urbanen Alltags schreibt sich somit die eindeutig frivole Symbolik biologischer Geschlechtsmuster ein.

     
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VALIE EXPORT: Hyperbulie, 1973, 6:33 min

Hyperbulie gehört zur Reihe der KÖRPERAKTIONEN, in denen VALIE EXPORT ihren eigenen Körper als Medium benutzt, um Fragen gesellschaftlicher Fremdbestimmung zu thematisieren. Unter Einsatz enormer Anstrengungen und körperlicher Schmerzen passiert die Künstlerin nackt einen von elektrisch geladenen Drähten gesäumten Korridor. Sie schafft eine physische wie psychische Extremsituation, um zu demonstrieren, wie sehr die Energie des Menschen - speziell der Frau - immer wieder durch quälende Hindernisse parzelliert und reglementiert wird.

     
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Marcel Odenbach: Zu schön um wahr zu sein, 1999/2000, 9:45 min

Die Zuneigungsbekenntnisse dieser küssenden roten Lippen sind einfach "Zu schön um wahr zu sein": Nacheinander nähern sich die Münder schöner venezuelanischer Frauen in Slow-Motion dem Kameraobjektiv, um ihren Lippenstift-abdruck darauf zu hinterlassen. In die Schnittfolgen der leidenschaftlichen Kussszenen arbeitet Marcel Odenbach das Found-Footage-Material historischer Aufnahmen von öffentlichen Ausschreitungen ein. Geschlechtsspezifisch konstruierte Wirklichkeit prallt auf politische Realität, südamerikanischer Schönheitskult auf die Brisanz historischer Ereignisse.

     
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Bettina Gruber: Erotic Clips IV, 1991, 2:36 min

Saxophonklänge ertönen zu einer Abfolge romantisch verklärter Kameraeinstellungen: ein Sonnenuntergang jenseits der Schiffsreling, ein kräftig gebauter Matrose im Mondschein, Blumenarrangements und florale Accessoires mit sexueller Konnotation. In ihrer Serie erotisch überhöhter Videoclips inszeniert Bettina Gruber den Mann nach vermeintlich weiblichen Phantasien. Voyeuristisches Spiel, Kitsch und Intimität verbinden sich dabei zu einem humorvollen Clip in der für Bettina Gruber so charakteristischen Ästhetik.

     
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Konzept: Elena Friedrich und Sven Seibel