„Frigo" wurde 1978 als alternativer Freiraum künstlerischer Auseinandersetzung
und interdisziplinärer, wie internationaler Kooperationen von Künstlern ins Leben gerufen. In
einer ehemaligen Käserei und dem dazugehörigen riesigen Kühlraum (franz. frigo)
entstand ein einmaliges Kunstlabor. „Frigo" war mehr als nur ein Ort: vielmehr
wuchs über viele Jahre ein unabhängiges künstlerisches Netzwerk, dessen Aktivitäten weit
über die Grenzen Lyons hinaus ausstrahlten.
An den Artist-in-Residence-Programmen, den Veranstaltungen und Performances
nahmen zahlreiche wichtige zeitgenössische Künstler teil, die im „Frigo"
arbeiteten und ausstellten. Dazu zählen neben McCarthy, Nitsch und Appelt auch Régine Chopinot, Rotraut
Pape, Fabrizio Plessi, Salomé & Castelli, Sarkis u.v.a.
Viele Performances wurden, für die damalige Zeit einmalig, explizit für
diesen Ort und für die Videokamera aufgeführt und entsprechend dokumentiert.
Das imai - inter media art institute hat eine erste Auswahl konserviert. Neben
der provokanten Performance „King of France" von Paul McCarthy und der eigens für die Kamera inszenierten Performance „L´Homme en Blanc"
von Dieter Appelt zeigt die Stiftung eine der raren Aufzeichnungen einer Aktion
von Hermann Nitsch: die 1980 in Florenz aufgeführte „68. Aktion" des Orgien Mysterien
Theaters.
Heute verfügt das Frigo-Archiv über mehr als 150 Stunden videokünstlerischer
Werke: eigeneProduktionen, Arbeiten der „Artists in Residence", Konzerte,
Performances und Tanz. Das bislang kaum erschlossene Archiv ist ein Spiegel der
Entwicklung einer eigenen audiovisuellen Formensprache seit den 1970er Jahren.
Dass diese Formensprache sich einerseits stets weiterentwickelt,
gleichzeitig aber auch Bezüge zu den historischen Videoarbeiten herstellt, veranschaulichen
die ergänzend gezeigten zeitgenössischen Videoarbeiten von Iris Hoppe, Aki
Nakazawa, Marcel Odenbach, Maria Vedder und Jan Verbeek.
Sie machen deutlich, dass das Medium Video als künstlerisches
Ausdrucksmittel auch heute noch eine Vielfalt von Facetten hat. Vertreten sind
bildreiche, fast filmische Erzählungen genauso wie nahezu dokumentarische Inszenierungen
mit klarer Bildkomposition und
poetischen Soundarrangements. Gemeinsam ist allen Werken, dass sie ihr Sujet
aus dem Alltag herauslösen und verfremden. Dadurch wird die ästhetische Wirkung
verstärkt und Wahrnehmungsgewohnheiten werden hinterfragt.
Kontrastiert werden die bewegten Bilder der ausgestellten Videoarbeiten durch
die limitierte Videostill-Edition, die international renommierte Künstlerinnen
und Künstler gemeinsam mit der Stiftung entworfen haben. Mit Motiven von Klaus
vom Bruch, Jochen Gerz, Alexander Hahn, Doug Hall, Nan Hoover, Marcel Odenbach,
Ulrike Rosenbach, Bill Seaman, Woody Vasulka.
Mit Arbeiten von:
Dieter Appelt, Iris Hoppe, Paul
McCarthy, Aki Nakazawa, Hermann Nitsch, Marcel Odenbach, Maria Vedder, Jan
Verbeek
Mit freundlicher Unterstützung von: